Wenn der Ausblick selbst zum Gestaltungsraum wird

Most Minimal Membrane folgt einem einfachen Gedanken: Die Außenwand sollte in unserer Wahrnehmung so wenig wie möglich zwischen uns und der lebendigen Natur stehen. Fenster und Türen werden dabei nicht nur zu Öffnungen in einer Fassade, sondern zu Übergängen zwischen außen und innen.
Aber was passiert, wenn vor dem Fenster gar nichts liegt, das man besonders gerne in den Innenraum holen möchte?
Eine kahle Wand. Eine Betonfläche. Ein Gegenüber, das wenig visuelle Qualität bietet.
Dann kann man die Perspektive umdrehen.
Statt den Ausblick hinzunehmen, kann man ihn gestalten.
Das Fenster wird zum Rahmen
Ein Fenster rahmt immer eine Szene. Die Frage ist nur, ob diese Szene bereits vorhanden ist oder erst entstehen muss.
Dabei braucht es nicht zwangsläufig einen aufwendig gestalteten Garten. Schon wenige Elemente können die Wahrnehmung verändern: Pflanzen, ein einzelnes Objekt, Farbe oder eine kleine künstlerische Intervention.
Drei einfache Holzstäbe können beispielsweise zu einem Kunstobjekt werden. Unterschiedlich hoch, mit Punkten, Streifen und kräftigen Farben bemalt, stehen sie zwischen Pflanzen vor einer rohen Betonwand.
Die Wand verschwindet dadurch nicht.
Sie bekommt einen Gegenpart.
Aus einer Begrenzung wird ein Hintergrund. Aus dem Hintergrund wird eine Bühne. Und aus dem Blick nach draußen entsteht eine bewusst gestaltete Szene.
Draußen ist hier Teil der visuellen Gestaltung
Das ist für mich eine logische Erweiterung von Most Minimal Membrane.
Wenn die Membran möglichst dünn werden soll, kann Gestaltung nicht an der Innenseite des Fensters aufhören. Alles, was von innen sichtbar ist, gehört zur visuellen Wahrnehmung des Raumes.
Der kleine Außenbereich wird damit Teil der Gestaltung.
Nicht unbedingt als Garten.
Sondern als visuelle Landschaft.
Pflanzen bringen Wachstum, Bewegung und unterschiedliche Strukturen hinein. Kunstobjekte ergänzen Farbe, Rhythmus und einen menschlichen Eingriff. Eine rohe Wand liefert Materialität und Tiefe.
Gerade die Kombination kann interessant sein: gewachsen und gestaltet, organisch und geometrisch, roh und farbig.
Die Szene nach innen weiterspielen
Besonders interessant wird es, wenn die Gestaltung nicht am Fenster endet.
Eine Farbe des Kunstobjekts draußen kann in einem Artwork im Innenraum wieder auftauchen. Eine organische Form kann an anderer Stelle erneut erscheinen. Materialien, Linien oder Rhythmen können sich wiederholen.
Nicht als klassisches Matching, bei dem alles perfekt aufeinander abgestimmt wird.
Eher wie ein visuelles Echo.
Das Auge begegnet einer Farbe draußen und findet sie an anderer Stelle im Raum wieder. Außen und innen beginnen dadurch miteinander zu kommunizieren.
Die Membran wird nicht physisch dünner.
Sie wirkt dünner, weil die Wahrnehmung sie überspringt.
Reich an Wahrnehmung

Genau hier trifft Most Minimal Membrane auf das zweite Prinzip: Reich an Wahrnehmung.
Ein Raum braucht dafür nicht möglichst viele Dinge. Er braucht unterschiedliche Wahrnehmungsangebote: Licht, Farbe, Materialität, Vegetation, Kunst, Tiefe, Bewegung, Kontraste und Wiederholungen.
Der Blick aus dem Fenster kann eines davon sein.
Und wenn draußen noch keine interessante Szene existiert, kann man eben eine große Szene machen.
Nicht, indem man die vorhandene Umgebung versteckt.
Sondern indem man ihr etwas hinzufügt, mit dem sie plötzlich interessant wird.
Manchmal muss man die Natur nicht hereinholen. Manchmal muss man dem Blick nach draußen erst etwas geben, das es wert ist, hereingeholt zu werden.